Ludwig-Thoma-Haus

Ludwig Thoma hat 14 Jahre im Haus „Tuften 12“ über dem Tegernsee gelebt und gearbeitet, aber auch geliebt und gelitten. 14 Jahre lang bedeutete das geräumige Anwesen für Thoma viel mehr als nur einfach ein Seßhaftgeworden-sein in einer „schönen Gegend“. Nach vielen Jahren der Unruhe und wechselnden Wohnsitze war die Tuften für ihn endlich ein festes Heim, das ihm Geborgenheit bot. Hier lebte er in einer Landschaft und unter Menschen, die er liebte, alles regte ihn zum Schaffen an – mit der Tuften war ihm ein Lebenswunsch in Erfüllung gegangen. Hier konnte er seine Werke schreiben und, wenn ihm „das Trumm ausging bei der Arbeit“, neue Kraft schöpfen. Eigenartigerweise findet sich aber unter seinen Dichtungen, die sechs dicke Bände füllen, nur ein einziger Roman, der am Tegernsee spielt: „Der Jagerloisl.“

Seit jenem Augustmorgen des Jahres 1921, an dem Ludwig Thoma von herzoglichen Jägern auf den Egerner Friedhof zur letzten Ruhe neben seinem Freund Ludwig Ganghofer getragen wurde, haben ungezählte Verehrer des Dichters sein Haus „Tuften 12“ in Tegernsee besucht. Wer heute durch das behagliche Anwesen geht, spürt sofort etwas von jener Atmosphäre, in der Ludwig Thoma hier lebte, und lässt sich gerne von der Stimmung der Tuften gefangen nehmen. Von der geräumigen Stube mit dem wuchtigen birnbaumenen Tisch vor der langen Wandbank im Herrgottswinkel, dem klobigen dunkelbraunen Kachelofen in der anderen Ecke und 182 Rehg´wichteln, Gamskrucken und Hirschgeweihen zwischen den vergilbten Familienbildern und Zeichnungen aus vergangener Zeit geht´s durch das weit ausladende Vorhaus die geschwungene Treppe hinauf ins Arbeitszimmer des Dichters. Hier steht in den kirschbaumenen Regalen unter der Dachschräge die bänderreiche Bibliothek Thomas, die seine historischen und literarischen Interessen erschließt, und gegenüber der Biedermeier-Schreibtisch mit kleinen, ganz persönlichen Erinnerungsstücken an den Dichter, der hier Werke schreib, die zum Herzstück baierischer Literatur gehören.

Genaugenommen waren es zwanzig Jahre, die Ludwig Thoma diesem herrlichen Landstrich aufs engste verbunden war. Seine erste Bekanntschaft mit dem Tegernsee machte Ludwig Thoma wohl, kurz nachdem er im März 1900 Redakteur der satirischen Zeitschrift „Simplicissimus“ geworden war. Im Freundeskreis der Simpl-Künstler kam er damals nach Gmund. Bereits im Sommer 1901 logierte er beim Six-Bauern in Finsterwald, Josef Gerold, und schrieb dort seine dreiaktige Komödie „ Die Lokalbahn“ zu Ende. Am 8. Mai 1902 mietete er sich mit seinem Bruder Peter, der Schwester Bertha und der alten Viktor (Viktoria) Pröbstl wieder beim Six-Bauern ein. „Das war wirklich wie Heimkehr in die alte, so lang entbehrte Welt“, schreibt er fünfzehn Jahre später in seinen „Erinnerungen“.

Mit sicherem Gespür erzielte Ludwig Thoma während seiner vielen Aufenthalte am Tegernsee in den Jahren bis 1908 den Erfolg seines Schaffens. Neben der Redaktionsarbeit für den „Simplicissimus“, die er oft von dem kleinen Bauernhaus in Finsterwald erledigte, entstanden dort sein erster Roman „Andreas Vöst“, die köstliche Geschichte „Der Heilige Hies“, zu der in der Stube beim Six-Bauern Ignatius Taschner die holzschnittartige Illustrationen zeichnete, und schließlich die unsterblichen „Lausbubengeschichten“. Daneben führte er mit dem Künstlervölkchen, das sich immer wieder hier zusammenfand, das fröhlichste Leben. Auf dem Leiterwagen war man in großer Gesellschaft unterwegs in der schönen Umgebung, fuhr nach Kreuth und Siebenhütten, zum Schießen nach Tegernsee, ins Bauerntheater nach Schliersee, machte Wanderungen nach Luisenthal, - und schließlich gab es auch eine Liaison mit einer jungen adeligen Dame aus München, die den Herrn Schriftsteller sehr heftig beschäftigte.

Ein Höhepunkt des Aufenthalts in Finsterwald war Ludwig Ganghofers 50. Geburtstag. Er bot dem Freund Thoma den erfreulichen Anlass, am 2. und 3. Juli 1905 beim Six-Bauern ein Scheibenschießen mit „70 scharfen Bergschützen, Fackelzug, Tag-Reveille und Waldfest“ zu arrangieren. „Eine reizende Mischung von liebenswürdigster Künstlerlaune und Bauernhöflichkeit. Dazu ein Wetter wie von Seide.“ Mit dem Verleger Albert Langen an der Spitze waren all die Simpl-Leute aus München angereist: die Redakteure Korfiz Holm und Reinhold Geheeb, die Zeichner Olaf Gulbransson und Bruno Paul, Eduard Thöny und Ferdinand von Rezniceck. Und sie hatten noch einen Gast mitgebracht, den Ludwig Thoma von München her kannte: Marietta di Rigardo, diesmal mit ihrem Gatten Georg David Schulze. Vor dieser fünfundzwanzigjährigen Tänzerin aus Manila, die „so unbefangen über streng gehütete Begriffe weghüpft“, stand der achtunddreißigjährige Dr. Thoma „wie vor einem Märchen“. Kurz vor der Abreise des Ehepaars traf man sich noch einmal in Abwinkl, und bald darauf fuhr Ludwig Thoma rasch entschlossen nach Berlin, um Marietta am 8. September heimlich an den Tegernsee zu entführen. Da Paar mietete sich in Ringsee bei Bad Wiessee, Nr. 57, ein und Thoma genoss sein Glück, spielte mit seiner Marion (Marietta) Tennis und schrieb „Neue Lausbubengeschichten. Tante Frieda“.

Bereits am 26. Juni 1905 hatte das Stuttgarter Landgericht Ludwig Thoma wegen seines Gedichts im „Simplicissimus“, „An die Sittlichkeitsprediger in Köln am Rheine“, zu 6 Wochen Haft verurteilt. Mit allen möglichen Winkelzügen suchte er die Verbüßung der Strafe hinauszuschieben, denn vorher galt es noch mancherlei unter Dach zu bringen: im Februar 1906 ging der „Simplicissimus“ aus dem Alleinbesitz Albert Langens in eine GmbH über, an der Thoma als Gesellschafter beteiligt wurde. Zu Ostern des gleichen Jahres fuhr er im Auto mit Langen und seiner Marion zu Hermann Hesse an den Bodensee, um die Gründung der Halbmonatsschrift „März“ vorzubereiten, die im Januar 1907 mit der ersten Nummer erschien.

Ludwig Thoma konnte mit seinen Erfolgen zufrieden sein. Ein gesichertes Jahreseinkommen von über 40000 Mark, vielleicht aber auch die Absicht seines Freundes Ignatius Taschner, sich in Mitterndorf bei Dachau ein Haus zu bauen, ließen in Thoma den Plan reifen, sich für immer am Tegernsee anzusiedeln. Am 17. Oktober schreibt er seinem Freund Nazi: „Den 15. Okt. wandere ich ins Loch auf 6 Wochen... Ich habe im Sinn, in Dürnbuch oder Gmund einige 8 Tgw. zu koofen. Finsterwald ist nichts. Ich habe den Eindruck, dass das ganze Dorf verdorben ist...“ Die Gmunder Verhandlungen zerschlugen sich, doch zehn Tage ehe Thoma in die Zelle 71 des Strafgefängnisses Stadelheim einzog, schloss er vor dem Tegernseer Notar Dr. Rosner mit dem Holzhändler und Besitzer der Tuften-Sägemühle Carl Ritter einen Kaufvertrag über 3,18 Tagwerk (1,132 ha Grund) auf dem Riedfeld für den Kaufpreis von 16 000 Mark. Aus dem Gefängnis berichtet er davon seinem Schulkameraden Karl Rothmaier:

„... Daß ich mir am Tegernsee einen Grund kaufte, hast Du vielleicht gelesen. Unter dem „Riedererstoa“, am Eingang des Enterrottacher Tales; der schönste Platz, den ich im ganzen Landl Tegernsee gesehen habe. Ich werde 2-3 Kühe halten, Obst bauen, mit Hülfe Taschners ein pikfeines Bauernhäusl errichten und in der Lederhose leben und sterben. Amen...“ In seiner Zelle fand Thoma neben seinen literarischen Arbeiten genügend Muße, um über seinen Bau nachzusinnen. Anscheinend kannte er auch bereits den Bauplan Taschners, denn er bittet diesen um eine Kopie und schreibt: „... Ich wäge hin und her, ob ich nicht sehr ähnlich baue. Magst Du Dich nicht mit (dem Bildhauer Josef) Rauch zusammensetzen und ausstudieren, ob bei ähnlicher Einteilung und ähnlicher Form nicht etwas Gebirgsstil hineinkommen kann; eine Altane anbringen etc.?...“ Gleichzeitig denkt er bereits ganz wirtschaftlich an ein Nebengebäude mit Wohnung für einen Hausmeister, mit einer Stallung für 3-4 Kühe , die den Haushalt billiger gestalten würden, und an einen Stadel. Taschner schickt sofort zwei farbige Skizzen, Millimeterpapier mit Anweisung für maßstabgerechtes Zeichnen und Hefte, aus denen Thoma „etwas bei den Grundrissen profitieren kann“. „... Du glaubst gar nicht, wie viel Freude Du mir damit gemacht hast und wieviele Stunden ich durch Planreißen & Luftschlösserbauen angenehm verbrachte“, schreibt Thoma aus Stadelheim. „Dein Plan ist ausgezeichnet und wenn wir noch dieß & das hinzu thun, muß das Häusl famos werden. Ich muß Dir nur zuerst die Situation zeichnen, wie mein Anwesen liegt... Ich sehe also nach Süden, den Wallberg, das Rottacher & Kreuther Thal, nach Westen den Tegernsee, nach Osten des Enterrotacher Thal mit Bodenschneid, Baumgarten usw. Der Norden ist völlig geschützt durch die ansteigenden Höhen und den Riederstein.“ Und dann folgen Überlegungen zur Raumaufteilung des Erdgeschosses, die bereits die endgültige Form erahnen lassen.

Nach der Entlassung aus Stadelheim schließt Thoma am 3. Dezember den 2. Kaufvertrag über 1,61 Tagwerk, dem bis 1909 noch fünf weitere Verbriefungen folgen, bis er schließlich auf der „Schifflend“ 15,189 Tagwerk (5,175 Hektar) besitzt, für die er auf Raten verteilt 57 680 Mark zu zahlen hat. Im Briefwechsel der beiden Freunde ist immer wieder von Einzelheiten über den Plan der Tuften die Rede. Thoma ersucht den Nazi in Berlin „von einem geschickten Kerl das Modell des Häusels machen (zu) lassen“. Taschner zeichnet den Erker, empfiehlt ein Treppengeländer im Dachauer Museum, entwirft den runden Ofen für das Biedermeierzimmer und gibt Raum- und Gewölbemaße.

Am 26. März 1907 konnte Thoma nach Überwindung aller Schwierigkeiten seine Marion in München heiraten. Nach der Hochzeitsreise schloss er mit dem Baumeister Josef Hofmann in Tegernsee den Bauvertrag für die Tuften „nach den vorgelegten und genehmigten Plänen“. Freudig berichtet er seinem Freund Conrad Haussmann: „... Nach den Verdrießlichkeiten des Anfangens genieße ich jetzt die Freude, meine Idee von Behaglichkeit massiv aus Stein und Mörtel herauswachsen zu sehen... Ich interessiere mich jetzt schon für Obst und kleine Viehzucht. Marion hingegen berechnet die Lage der Waschküche, des Gemüsegartens und der Rosenbeetlein. So ergänzen wir uns aufs schönste und wollen der künftigen Dinge warten...“

Der schmucke Bau mit den neun Wohnräumen in drei Geschossen, der großen Küche und den Kammern wächst.

„Mein liebes Haus in Tegernsee“, schreibt Thoma am 21. Januar 1908, „ist außen längst fertig; und braucht innen nur noch weniges. Alle Öfen sind schon gesetzt, alle Böden gelegt... Mir tut es damisch wohl, darüber nachdenken zu müssen, welche Kühe ich anschaffe, wo ich heuer Kunstdünger streue... Darin liegt eine Unendlichkeit von Ruhe und Vernunft und Natur. Es ist etwas Positives. Was bemerkenswert wohltut im problematischen Arbeiten und Spintisieren...“

Am 8. April 1908 konnte das Ehepaar „mit Sack und Pack“ nach Tegernsee übersiedeln und am 19. Schreibt er an Taschner: „Fertig! Der letzte Nagel ist eingeschlagen & wie es jetzt so unglaublich nett & sauber aussieht, muß ich Dir lb. Nazi den herzlichsten Dank sagen für Deine Hülfe, durch die mein Häusl so geworden ist...“

Am 14. Dezember präsentiert Baumeister Hofmann die Endabrechnung: Der Bau des Wohngebäudes (32 086,11 Mark), des Ökonomiegebäudes (9071,10 Mark) und des Heustadels (886,13 Mark) ergibt mit Regierarbeiten und Materiallieferungen eine Gesamtsumme von 45 920,84 Mark.

Diesen Schuldenberg galt es nun abzutragen und das gelang Thoma sehr rasch. Im neuen Haus schrieb er die in Stadelheim begonnene Komödie „Moral“ zu Ende und als sie im November 1908 in Berlin und München Premiére hatte, war die Kritik einhellig begeistert. Das Stück trat seinen Siegeszug über alle deutschen Bühnen an und Thoma war binnen kurzem seiner Geldsorgen ledig. Er war nun „Herr auf Schifflend“, wie ihn der Salitterer von Rottach in einer Gedenkschrift 1911 nannte. Nach dem Kataster sind „Schifflend“ und Riedfeld“ die zutreffenden Flurnamen, eine Erinnerung an geologische Vorzeiten, als der Spiegel des Sees noch bis zum Thoma-Haus heraufreichte. Auf diesem Höhenrücken traten auch Ablagerungen von Tuff zutage, einem in den Fundstellen weichen Gestein, das noch um 1820 hier in Lohnarbeit abgebaut wurde. Ob Thoma seinen Hausnamen nach dem Gestein oder nach dem Vorbesitzer, dem Tuften-Müller an der Rottach wählte, ist nicht feststellbar.

Freudig begrüßte Thoma seine Gäste in der Tuften: Ludwig Ganghofer, Ignatius Taschner und Conrad Haussmann, die Simpl-Künstler wie Gulbrannsson und Wilke, die Verleger Albert Langen und Georg Hirth, die Schauspieler Gustl Waldau und Michl Dengg. Das Gesellschaftsleben, wie es sich Marion wünschte, war ihm nicht gemäß. Während seine Frau dem Glück in der Welt nachlief, zog sich Ludwig Thoma mehr und mehr in sein Haus zurück. „Von mir aus kann es anderswo nett sein, so schön wie hier ist es nirgends, und so behaglich erst recht nicht“, schreibt er Marion. Dabei klingt leise die Erkenntnis auf, „daß unsere Ehe ein Irrthum war“. Nur die Arbeit am Werk ist es, die immer wieder „trübe und scheue Gedanken in die Ecke jagt“. In rascher Folge entstehen die fröhlichen Einakter „Erster Klasse“ und „Das Säuglingsheim“.

Während Thoma sich endgültig im März 1911 von Marion trennt, erlebt er erst die stille Freude am Heranwachsen seines stärksten Bauernromans „Der Wittiber“, doch dann beschleicht ihn eine Leere, in der der Gedanke aufkommt, die Tuften zu verkaufen. „Jetzt stehen mir 5 Zimmer leer, in die ich nie komme.“ Bald aber verliert sich wieder diese Stimmung und er bleibt in seinem Anwesen „als ziemlich behaglicher Junggeselle. Was eigentlich am besten zu meinem Naturell paßt“. Wie „ein ins Bayerische übersetzter Hieronymus“ schreibt er in seinem Arbeitszimmer Werk um Werk: das Volksstück „Magdalena“, das 2. Buch von „Jozef Filsers Briefwexel“, Lustspiele wie „Die kleinen Verwandten“ oder „Die Brautschau“ und nach den Erlebnissen an der Kriegsfront die Weihnachtslegende „Heilige Nacht“.

Im Sommer 1918 trifft Ludwig Thoma in Egern wieder mit Maria Liebermann von Wahlendorf zusammen, die er vor 15 Jahren in Nürnberg kennen gelernt hatte und die nun längst die Frau eines Andern ist. Wie ein Blitzstrahl trifft Ludwig Thoma die grenzenlose, alles versengende Liebe zu „seiner Maidi“ – und damit beginnt das erschütternde Drama des Kampfes um die Hand dieser Frau, das erst mit seinem frühen Tod ergebnislos zu Ende gehen wird. Thoma schreibt in der Tuften Hunderte von beschwörenden Briefen. Unstillbare Sehnsucht nach der „Maidi“ und die düstere Niedergeschlagenheit über den verlorenen Krieg schleichen durch das Haus. Ludwig Thoma sucht aus der Vergangenheit Kraft zu schöpfen, er schreibt seine „Erinnerungen“ und den „Kaspar Lorinser“. Selten nur ist die Tuften „ein Stück altes Bayern und altes Behagen“, etwa wenn am Ludwigstag 1917 Lena Christ und Georg Queri, Kiem Pauli und Weiß Ferdl zu Besuch kommen. Während Thoma in den politischen derben Artikeln für den „Miesbacher Anzeiger“ all seinen Ärger losläßt, entstehen die heitere Sommergeschichte „Altaich“, der Tegernseer Roman „Der Jagerloisl“ und schließlich sein dritter und letzter Bauernroman „Der Ruepp“. Während der Arbeit an diesem düsteren Bauernleben aus dem Dachauer Land meldet sich bei Ludwig Thoma die Krankheit. Nach einer Magenoperation in München kehrt der Todgeweihte am 24. August heim in seine Tuften. „Ich bin in sorgsamster Pflege, herrlicher Luft, freue mich über jedes Geräusch draußen und herin und höre, fühle, atme Heimat“ schreibt er in seinem letzten Brief. Tags darauf, am 26. August 1921, stirbt er in seiner Jagerstube.

Am 5. August 1921, am Vorabend der Operation, schrieb Ludwig Thoma seinen letzten Willen und setzte Maidi von Liebermann als Haupterbin ein. Bei den hohen Legaten, die er seinen Geschwistern zusprach, dachte er im Testament daran, dass Maidi das Anwesen verkaufen muss um die Verpflichtungen einzulösen.

Der tüchtigen Frau gelang es trotz aller Schwierigkeiten das Anwesen zu erhalten. Die beließ die Einrichtung so, wie sie bei Thomas Ableben war, und führte das Haus als behaglich-bäuerliche und zugleich vornehme Familienpension. Während des Dritten Reichs wurde der „Glaube an Deutschland-Dichter“ Hans Zöberlein zwangseinquartiert und erst nach 1945 konnte Maidi von Liebermann ihre Pension wieder eröffnen.

Als Frau von Liebermann 1957 den literarischen Nachlaß Ludwig Thomas der Handschriftenabteilung der Stadtbibliothek München in Obhut gab, bahnte sich zwischen der Erbin des Dichters und der Landeshauptstadt München eine Verbindung an, die zur Sicherung der Tuften für alle Zeiten führte. 1964 rief der Stadtrat der Landeshauptstadt eine Stiftung ins Leben: Frau von Liebermann schenkte die Tuften an die Stiftung, die Stadt erwarb einen Grundstücksanteil für eine Million DM und die Allianz-Versicherung beteiligte sich daran mit 200 000 DM.

Als Maidi von Liebermann 50 Jahr nach „ihrem Ludwig“, am 22. November 1971 im 88. Lebensjahr starb, übernahm München das Haus in Städtische Verwaltung. Seitdem steht diese Gedächtnisstätte, in der immer wiederkehrend gesellige Zusammenkünfte im Geiste Ludwig Thomas stattfinden, allen Verehrern des Dichters zum Besuche offen.

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